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Aktuelle Veranstaltungen

Samstag, 08. Mai 2021  18:00 Uhr

Tag der Städtebauförderung: digitaler Rundgang durch den Refo-Campus

Dienstag, 25. Mai 2021  16:30 Uhr

3. Lernworkshop: „Effektive und wertschätzende Kommunikation“

Präsentation der Entwürfe

Angesichts der Hitze bietet die Heilandskirche in der Thusnelda-Allee am Montag Abend einen erfrischend kühlen Rahmen für die Infoveranstaltung zum Wettbewerb über den Umbau des kleinen Tiergartens/Ottoparks, der von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ausgerufen wurde. Es ist der Vorabend der Jury-Sitzung und in der Kirche werden 16 Entwürfe, die am Wettbewerb teilnehmen, den Moabiter Anwohner/innen vorgestellt und in der anschließenden Diskussionsrunde besprochen.

Die Längsseite der Kirche säumen große Pläne und Skizzen, durchnummeriert anstelle der Namen der teilnehmenden Landschaftsplaner. Die Anonymität soll gewahrt werden, um die Entscheidung nicht zu beeinflussen. Rund 60 Interessierte haben sich eingefunden, die der Powerpoint-Präsentation.folgen. Moderiert wird die Veranstaltung von Gisbert Preuß vom Koordinationsbüro Aktive Zentren/ Turmstraße. Anwesend  sind auch Baustadtrat Gothe und ein Mitarbeiter des Büros La Bar , die den Wettbewerb betreuen.

Wegen der Menge der Vorschläge wird im Schnellverfahren eine kurze Zusammenfassung des jeweiligen Entwurfs gegeben und eine Simulation gezeigt, wie das Ganze mal aussehen könnte. Um ein wenig in das komplexe Thema „Baumaßnahmen“ einzusteigen, empfiehlt sich ein Blick in den Ausschreibungstext, was war eigentlich gefordert?

So lautet die Kernaussage des Textes, dass „die in der Mitte des 19. Jahrhunderts angelegte und in den 50er Jahren umgebaute Parkanlage sich heute in einem wenig attraktiven Zustand darstellt und ihrer Funktion als zentrale, die angrenzenden Quartiere verbindende, Grünfläche nicht gerecht wird.  Erwartet werden Lösungsvorschläge von hoher gestalterischer Qualität, eine intensive und sensible Auseinandersetzung mit dem Bestand und eine stufenweise Umsetzbarkeit der vorgeschlagenen Maßnahmen.“

Den kompletten Ausschreibungstext können Sie unter den laufenden Verfahren einsehen:
Link zur Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Den teilnehmenden Planungsbüros wurde unter anderem die Auflage gestellt, neben einer Leitidee und der städtebaulichen Einbindung auch den Umgang mit dem Bestand, speziell der Vegetation, zu berücksichtigen. Wichtige Aspekte waren auch die Öffnung des Parks und Verbindung mit dem Umfeld, „Angsträume“ zu vermindern, Übersichtlichkeit und attraktive Angebote für Jugendliche zu schaffen und den Pflegeaufwand zu erleichtern. Dem ganzen Vorhaben steht ein Budget von rund 4 Millionen Euro zur Verfügung.

Von den Stadtplanern wurden diese Auflagen dann beispielsweise so umgesetzt, dass man den historischen Baumbestand weitestgehend erhalten sollte, jedoch die ganze Anlage insgesamt mehr Transparenz erhalten muss. Ein Großteil der bisherigen Hecken soll weichen, zugunsten von freien Flächen, die unterschiedlich ausgestattet sein werden. Vorgeschlagen wurden mit lange „Bankschlangen“ anstatt der bisherigen Einzelbänke. Berücksichtigt wurde auch das Angebot für Kinder wie die Errichtung eines künstlichen Spielhügels, eines Outdoor-Parcours und Angeboten für Kleinkinder. Etwas exotisch, aber nicht außerhalb der Vorstellungskraft, lag der Vorschlag der Errichtung einer Flutlichtanlage, um den Park auch in den späten Abendstunden nutzen zu können oder ein Platz mit den U-Bahnschildern europäischer Metropolen als Leuchtmittel. Auch eine Kiezkantine wird angedacht. Nicht fehlen soll auch die Bürgerbeteiligung, realisiert  durch selbstbepflanzte Anwohnerbeete, Grillplätze und Kommunikationsforen.

Die Kritik aus den Reihen der Moabiter/innen drehte sich unter anderem um den Aspekt des Emissionsschutzes. Wenn die Baum- und Heckenbestände zu sehr der Gartenschere zum Opfer fielen, würde eine erhöhte Lärmbelästigung die Folge sein, da die Pflanzen bisher viel Geräusche abpuffern. Auch die Sandkuhle im östlichen Teil des kleinen Tiergartens sollte als viel genutztes Areal in die Planung mit einbezogen werden und nicht der ebenfalls geplanten Straßenbahn weichen müssen.

Auch im Vorfeld wurde bereits heiß diskutiert, so ist es beispielsweise garnicht so erwünscht, dass der Park sich zur Straße hin öffnet, da die Erholungsqualiät leiden würde. Auch ein Übermaß an Sportangeboten ginge auf Kosten der Ruhe-Suchenden. Mehr dazu kann man noch auf Moabit-Online lesen: http://www.moabitonline.de/2341

Eigentlich wäre die große Wiese auch ein schöner Platz für ein Freilichtkino. Die Künsterlin Monika Goetz hat hier für ihre Kunstaktion „Sunrise@Sunset“ eine große Projektionsleinwand aufgestellt, die als gutes Beispiel dienen kann. 

Bleibt nun abzuwarten, welcher Vorschlag schließlich umgesetzt wird. Bei meiner anschließenden Fototour durch Ottopark und den kleinen Tiergarten zähle ich auf den Einzelbänken so einige leicht bis mittelschwer benebelte Herren mit und ohne Hund, aber mit der obligatorischen Bierpulle, gut versteckt hinter sommerlichem Wildwuchs. Die spielenden Kinder auf der großen Wiese stört das nicht, nur mein allgemeines Sicherheitsempfinden leidet etwas. Aber das ist eben Moabiter Realität, die nicht auf dem Reißbrett planbar ist.

 

kh