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Dienstag, 25. Mai 2021  16:30 Uhr

3. Lernworkshop: „Effektive und wertschätzende Kommunikation“

PROJEKTE: Boxprofi Susi Kentikian an der HDO-Oberschule

"Wie boxt man?" fragten die Mädchen und Susi Kentikian antwortete.

 „Wichtig ist, ein Ziel zu haben. Man muss sich fragen: Was will ich? Wenn du das weißt, musst du daran arbeiten, fleißig sein, diszipliniert sein. Du musst an dich glauben. Du kannst nicht sagen: Das ist mein Ziel, das werde ich irgendwann erreichen – aber dafür nichts tun.“ (Susianna Kentikian, HDO-OS 2013)

Die Aula der Hedwig-Dohm-Oberschule ist gut gefüllt, rund 40 Mädchen sitzen im Halbkreis um die Profi-Boxerin Susi Kentikian und die Schüler-Moderatorin, stellen Fragen und erhalten gerade hinaus Antworten.

Die 25-jährige Fliegengewichtlerin mit Weltmeistertitel berichtet den aufmerksamen Mädchen - Jungen mussten „leider“ draußen bleiben* - in ihrer sympathischen Art über ihr Schicksal, ihren Weg, ihre Art mit Aggressionen umzugehen und diese in positive Energie münden zu lassen. Entstanden ist die Einladung an die Schule im Rahmen eines Anti-Gewalt-Trainings, an dem einige Mädchen erfolgreich teilgenommen haben. Das „Tesya-Training“ wurde durch das Quartiersmanagement Moabit-Ost aus Mitteln des Programms Soziale Stadt finanziert und im Rahmen eines Projektes durchgeführt.

Susi stammt ursprünglich aus Armenien, das sie aber mit ihrer Familie im Alter von fünf Jahren verlassen musste. Mit 12 Jahren kam sie durch ihren Bruder zum Boxen, hat hart darauf hingearbeitet, Profiboxerin zu werden. Das Bild von der 1,55 cm „großen“, jungen Frau mit hohen Absätzen, lackierten Nägeln und taillierter Jacke ist schwer vergleichbar mit der knallharten „Killer Queen“ im Ring, die ordentlich austeilt, aber auch gut einsteckt. Der Unterschied ist groß, auch für ihre Eltern ist die extreme Sportart nicht immer ganz leicht zu akzeptieren. „Mein Vater war am Anfang sehr dagegen, hat das aber irgendwann  respektiert, weil er gemerkt hat, dass ich den Sport gut kann. Meine Mutter kann das bis heute nicht verstehen. Manchmal habe ich ein blaues Auge oder z.B. habe ich immer noch so einen Bluterguss am Auge. Das sah schon ziemlich heftig aus. Da habe ich ihr erzählt, ich wäre vom Fahrrad gefallen. Das hat sie mir nicht geglaubt.“

Zwar bekommt man zunächst den Eindruck vermittelt, dass „Schlagen“ an sich schon eine coole Sache ist. „Ich habe keine Angst, die Männer haben Angst vor mir“ – eine Aussage, die man als Frau gerne für sich selbst verbuchen würde. Auch die Video-Sequenzen, die zur Untermalung der Veranstaltung vorgespielt werden, vermitteln ein „Hammer-Image“ des K.O.-Sports und wirken eher anregend, als abschreckend.

Die Mädchen werden aber schnell wieder auf den Boden der Tatsachen geholt. Denn Susi Kentikian erdet sie mit den Worten „Man muss lernen, seine Gefühle unter Kontrolle zu haben. Schlagen um sich zu verteidigen -  ja -  aber nicht um des Schlagens willen. „Du musst dir immer deinen Respekt beweisen und holen.“ Dafür trainiert sie in der Vorbereitung auf einen Wettkampf vier Stunden täglich – zwei vormittags, zwei nachmittags.

Der Sport hat ihr über schwierige Zeiten hinweg geholfen. Über Frustsituationen und schlechte Gefühle. Ihr Aufenthaltsstatus blieb lange unsicher; erst ihr dreijähriger Profivertrag sicherte ihr und ihrer Familie im Jahr 2005 ein dauerhaftes Bleiberecht. Sie ist sehr religiös, glaubt an Gott und hat viele Freunde, die religiös geprägt sind. „Ich finde es wichtig, einen Glauben zu haben. Der stärkt und ist da, wenn man alleine ist.“ meint sie. Die Profisportlerin raucht und trinkt nicht, lebt gesund, ist nicht so der Partytyp sondern genießt ihren Erfolg lieber für sich oder mit ihrer Familie.

„Wenn man ein Ziel hat, darf man niemals aufgeben. Wir sind alle gleich, niemand hat es einfach so geschafft. Auch ich habe so viele Jahre für meine Träume, mein Ziel gekämpft. Auch viel Leid gehabt, aber umso mehr hat mich das gestärkt, umso mehr wollte ich meine Ziele erreichen – um es den Leuten zu zeigen.“

Das ist ihr gelungen – meinen wir.              
*Auch der ausgesperrten Jungen wurde sich im Anschluss angenommen – s. Fotos.

 

Bild/Text: kh