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MOABIT: Krankenhaus Moabit

„Die verkaufte Braut“ – Ausstellung zum Kampf um das Krankenhaus Moabit von Jutta Schauer-Oldenburg

Zwei engagierte Frauen: Jutta Schauer-Oldenburg vor dem Portrait von Prof. Dr. Lydia Rabinowitsch Kemper

Im großen historischen Strauß der Veranstaltungen rund um die Eingemeindung Moabits in „Groß-Berlin“ vor 150 Jahren darf natürlich die Geschichte des Krankenhauses Moabit nicht fehlen.

Im 3. Stock des Rathaus Tiergarten existiert bereits eine ansehnliche Dauerausstellung über das Krankenhaus, rund um dessen Gründung 1872 als Seuchenlazarett, sein Schicksal im Dritten Reich und das seiner Menschen – herausragende Persönlichkeiten der Berliner Medizingeschichte.  Denn das Krankenhaus Moabit hat  - im Gegensatz zu anderen Berliner Krankenhäusern – seine nationalsozialistische Vergangenheit aufgearbeitet und dies dokumentiert.

Nun sind für rund eine Woche fünf Schaukästen hinzugekommen – bestückt mit Erinnerungsstücken, die Jutta Schauer-Oldenburg zusammengetragen hat. Die ehemalige Oberschwester hat den Kampf um die Existenz des Krankenhauses und seines Personals mit großem Engagement begleitet und ist auch heute noch mit viel Energie dabei. Sie hat 129 Jahre Höhen, Kämpfe und Niederlagen dokumentiert und eingeordnet – wobei fünf Vitrinen nicht viel Platz sind, für die große Masse an Material, die sie zusammengetragen hat.  Für Sie und auch viele Ihrer ehemaligen Kolleginnen und Kollegen ist die Schließung des Krankenhauses im September 2001 immer noch schmerzlich. Aber diejenigen, die zur Eröffnung gekommen sind, haben sich viel zu erzählen. Wer wen getriezt hat, dass der berühmte Politiker, der bei ihnen lag zwar ein Schweinehund war, aber trotzdem Gentlemen.

Viele Erinnerungen: Ingrid Thorius, Oberin Hergenheim, Renate Marschek (Kinderschwester)

752 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurde damals betriebsbedingt gekündigt, darunter viel älteres und hochqualifiziertes Personal – zu teuer, um wo anders eine gute Stelle zu bekommen. Viele waren fast ihr ganzes Berufsleben am Krankenhaus Moabit beschäftigt, wie Ingrid Thorius, Tochter von Klara Franke.
"Mit 16 rein, mit 62 raus" - erzählt Sie stolz.

Jutta Schauer-Oldenburg trägt Ihr Anliegen in der Eröffnungsrede mit der bekannten Überzeugungskraft vor: „Erleben Sie noch einmal unser Krankenhaus und neben wichtigen Erinnerungen, empfinden Sie die Dokumentation nochmal als einen Protest und als Klassentreffen – denn wir waren Klasse!“

Die Ausstellung befindet sich noch in dieser Woche im 3. Stock des Rathaus Tiergarten, Mathilde-Jakob-Platz 1. Sie ist zu den normalen Bürozeiten des Rathauses zugänglich und kostenlos.

kh