Suche

Aktuelle Veranstaltungen

Samstag, 08. Mai 2021  18:00 Uhr

Tag der Städtebauförderung: digitaler Rundgang durch den Refo-Campus

Samstag, 15. Mai 2021  12:00 Uhr

Workshop zum Thema Lehramt

Dienstag, 25. Mai 2021  16:30 Uhr

3. Lernworkshop: „Effektive und wertschätzende Kommunikation“

Bandelstraße – September 2014

Ruhiges Wohnen zwischen Turm- und Birkenstraße

Moabeet

Neu-Moabiter kennen die Bandelstraße spätestens seit dem PerlenKiezfest am 29. August. An der Ecke Birkenstraße begann die Festmeile mit der Hüpfburg. Beim Einbiegen in die verkehrsberuhigte Wohnstraße erblickt man das Moabeet, eine grüne Oase. Kein Wunder, dass engagierte Anwohner sie unter Naturschutz gestellt haben. 

Dem Bildhauer Ernst v. Bandel Moabit hätte dies wahrscheinlich gefallen, auch wenn er Moabit nicht kannte. Nur 3 Jahre arbeitete er in Berlin, zusammen mit Gottfried Schadow und Christian Rauch. Sein Hauptwerk war die berühmte Hermanns-Statue hoch über dem Teutoburger Wald. Das Denkmal zur Erinnerung an den Sieg über die Römer wurde 1875 eingeweiht, ein Jahr vor Bandels Tod. Die Euphorie für alles Deutsche zu jener Zeit war groß. So benannten die Moabiter eine Straße nach Arminius (lat. Hermann), eine weitere nach Ernst Bandel und die Apotheke an ihrem Ende nach Roland, dem Ritter. 

Die ersten 300m reihen sich Wohngebäude aus verschiedenen Epochen aneinander: aus der Gründerzeit, aus den 50er und 60er Jahren. Alle haben gepflegte Vorgärten und grüne Balkons. W Ins Auge fällt der Neubau in Nr. 26. Hier errichtete sich die jüngste Baugruppe von Moabit-Ost ein Haus nach eigenen Wünschen. Das Besondere ist ein gemeinsamer Projektraum, den Moabiter/-innen für Treffs oder Seminare buchen können. Zurzeit finden hier Hebammenkurse in Zusammenarbeit mit dem Familienzentrum statt. Die erste Ausstellung gab es anlässlich des Kultur-Wochenendes „Ortstermin“ 2014.

An der Ecke Dreysestraße treffen wir am Bicyclope 2 Martin und seinen WG-Kumpel. Die beiden Philosophie-Studenten wohnen in der Stephanstraße, genießen jedoch hier die Ruhe zum Lesen. Bicylope – das ist ein Fahrrad, kombiniert mit einer Sitzbank. Künstler bauten es mit Nachbarn im Rahmen eines Quartiersprojektes. 

Es folgt ein kleiner Platz, der geprägt ist durch das 1912 errichtete ehemalige Gotteshaus der Laurentius-Gemeinde. Seit 2007 ist hier die „Christ Embassy Church“, eine aus Nigeria stammende Freikirche, beheimatet. Mittwochs und sonntags sind Interessenten herzlich willkommen. In den letzten Wintern wurde der Vorplatz durch wunderschöne Lampions erhellt – gebaut von Moritz Wermelskirch. Mit seinem Quartiers­projekt „Moabit leuchtet“ ließ er unseren Kiez erstrahlen. 

In die katholische Kita St. Laurentius daneben schicken nicht nur Moabiter Eltern ihre Kinder. Die Einrichtung bewahrt seit mehr als 50 Jahren konfessio­nelle Rituale und hat sich der naturwissenschaftlichen Bildung verschrieben. Gerade erhielt sie von der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ zum 4. Mal eine Zertifizierung. „Wir sind eine der wenigen Einrichtungen, die seit Anfang an dabei sind“ bemerkt die Leiterin Gabriele Grüner nicht ohne Stolz. „Ihre“ 55 Kinder haben verschiedenste Muttersprachen – polnisch, russisch, arabisch oder vietnamesisch. Momentan wird die Küche erweitert. „Weil das Essen so gut schmeckt, erhielt die Köchin von den Schulanfängern zum Abschied sogar einen goldenen Löffel“, erzählt Frau Grüner mit einem breiten Lächeln. 

Nebenan ist die kleine Werkstatt, wo Olga Kleidung und Wladimir Schuhe der Moabiter reparieren Er kennt den Ledergeruch seit seiner Kindheit, denn schon sein Vater war Schuster. Er selbst brachte es bis zum Theaterregisseur.

Gegenüber hat die Pflegestation von Doreen Meier seit drei Jahren ihr Domizil. Sie ist auf die Betreuung von Gehörlosen spezialisiert. Die 20 Mitarbeiterinnen pflegen Patienten in ganz Mitte.

Ihr Nachbar ist Malermeister Rafik Amrouche mit 5 Angestellten. Die Kunden sind Privatleute, aber auch Wohnungsbaugesellschaften. „Im Moment läuft es ganz gut, es wird ja überall modernisiert. Wenn nur die Zahlungsmoral so gut wäre …“, bedauert Amrouche. 

Im unscheinbaren kleinen Laden nebenan kümmert sich seit Juni Frau Jiang um das Wohlbefinden der Moabiter/-innen. Sie mischt Kräutertees nach der Traditionellen Chinesischen Medizin und erteilt gern Ratschläge zur Genesung. 

Die gibt es auch in der „Alten Roland-Apotheke“ gratis. Die bereits 1888 gegründete Apotheke ist für die Moabiter ein wichtiger Anlaufpunkt in Sachen Gesundheit, Heilkräuter und Homöo­pathie. Früher befand sie sich auf der anderen Straßenseite. Beim Umzug vor 30 Jahren nahm man das alte Mobiliar mit, das Kunden sofort ins Auge fällt. Seit 2006 leitet Christina Holm das Geschäft: „Wir sind eine reine Frauen-Mannschaft, arbeiten kiez-orientiert und haben viele Stammkunden.“ Auch beim PerlenKiezfest waren sie mit dabei am Stand des Gesundheitszentrums der BIM. 

Gegenüber, Ecke Turmstraße, begehen die Inhaber von „Al Tribuna­le“, Frau Fakih und Herr Nassar, ihr 20-jähriges Bestehen. „Am besten läuft es mittags, wenn die Angestellten vom Gericht essen wollen. Dann muss es flott, flott gehen“, meint Frau Fakih. Abends, wenn der Verkehr nachlässt, kommen die Nachbarn aus dem Kiez oftmals mit der ganzen Familie zu ihrem Lieblings-Italie­ner. Wahrscheinlich wird es demnächst mittags noch voller sein, denn gerade ist die Verwaltungsakademie Berlin in das Gebäude der ehemaligen Breitscheid-Schule eingezogen. 

Gudrun Radev / Bianka Spieß